App entwickeln lassen · Kosten · Aktualisiert: 30. April 2026 · ~5 Min Lesezeit

Was kostet eine App-Entwicklung?

App-Entwicklungsbudgets von 30.000 € bis sechsstellig — die sechs Treiber dahinter, DACH-Day-Rates 2026 und drei realistische Beispielrechnungen.

Die ehrliche Antwort: ein App-V1 in DACH liegt zwischen 30.000 € und 200.000 €+ — die Spanne folgt sechs Treibern, nicht dem Bauchgefühl. Wer „Was kostet eine App?” ohne diese Treiber beantwortet, rät. Hier sind sie offen, mit Day-Rates und drei Beispielrechnungen aus der Praxis.

Die typischen Bandbreiten

Aus den Angeboten 2025/2026 in DACH lassen sich drei Klassen abgrenzen — keine Studienkonstante, sondern eine Praxis-Faustregel mit großer Streuung:

  • Schlanker MVP, eine Plattform, einfaches Datenmodell. 8 Wochen Build, ein zweiköpfiges Team, Standard-Stack. Bandbreite 30.000–60.000 €. Beispiele: Single-Workflow-App (Buchung, Status-Meldung, Self-Service-Frontend für bestehende Endkunden).
  • Vollwertige Produkt-App, beide Plattformen, Backend, Payments, Auth. 12–16 Wochen Build, zwei bis drei Personen im Team. Bandbreite 60.000–150.000 €. Beispiele: B2C-Marktplatz mit Stripe, B2B-Plattform mit Rollen-Modell, Companion-App zu einem Hardware-Produkt.
  • Komplexe Plattform mit Multi-Tenant, mehreren Integrationen oder Hardware-Anbindung. 16–24 Wochen Build, mehrköpfiges Team, externe Spezialist:innen für Hardware- oder Compliance-Schichten. Bandbreite 150.000–300.000 €+.

Die Größe entscheidet sich nicht in der UI-Schicht — sondern im Datenmodell, in der Anzahl externer Systeme und in der Compliance-Last. Mehr zur Scope-Disziplin im Sub-Guide MVP oder direkt komplett.

Die sechs Treiber

Was eine App in welche der drei Klassen schiebt, hängt an sechs Größen — und in den meisten Projekten an einer Kombination aus zwei oder drei davon.

1. Scope-Tiefe und Datenmodell

Eine Buchungs-App mit drei Entitäten und 1:n-Beziehungen ist nicht halb so teuer wie eine mit zehn Entitäten, Lifecycle-States, Aggregations-Reports und nutzergenerierten Inhalten — sie ist ein Bruchteil. Datenmodell-Komplexität skaliert die Test-Last und die Edge-Case-Pflege überproportional. Wer in V1 ehrlich auf vier bis fünf Entitäten reduzieren kann, halbiert oft das Build-Budget.

2. Plattform-Wahl

Native (Swift + Kotlin) heißt zwei Codebasen, zwei Toolchains, zwei Submission-Pfade. Cross-Plattform (React Native + Expo) trägt eine Codebasis und ist für die meisten App-Klassen die günstigere Variante — auch in der späteren Wartung. PWA spart noch einmal, schließt aber Store-Sichtbarkeit und tiefen Hardware-Zugriff aus. Welche Plattform-Wahl wann zu welchem Aufpreis führt, steht im Sub-Guide Native vs. Cross-Plattform vs. PWA.

3. Hardware- und Sensor-Anbindung

Bluetooth-LE-Pairing, NFC, ARKit/ARCore, Industrie-Sensorik — jeder dieser Pfade kostet Wochen, weil er Test-Hardware, Lab-Setups und oft isolierte Native-Module verlangt. Companion-Apps zu IoT-Hardware liegen budgetär regelmäßig 30–50 % über vergleichbaren reinen Frontend-Apps. Ein Hardware-Engpass ist der Treiber, der am häufigsten unterschätzt wird.

Compliance- und Stack-Treiber

Drei weitere Größen, die das Budget formen — sie wirken weniger sichtbar, aber dauerhaft.

4. Compliance-Last

DSGVO, Privacy-Manifest, Data-Safety-Form, Branchen-Regulierung (Banking, Gesundheit, öffentlicher Sektor). Eine App, die in einer regulierten Branche läuft, braucht Audit-Doku, dokumentierte Prozesse und oft eine Datenschutz-Folgenabschätzung. Das ist kein Add-on, sondern eine Architektur-Schicht — siehe DSGVO bei der App-Entwicklung. Compliance-getriebene Apps liegen 15–25 % über vergleichbaren Apps ohne Auflagen.

5. Team-Setup und Day-Rates

In Angebots-Vergleichen 2025/2026 liegen DACH-Stundensätze für Senior-Mobile-Entwickler:innen typischerweise zwischen 110 und 180 € netto — Tagessätze entsprechend bei rund 880–1.440 €. Festangestellte Senior-Positionen liegen laut StepStone Gehaltsreport inkl. Lohnnebenkosten im niedrigen sechsstelligen Bereich pro Jahr.

Ein zweiköpfiges Team über 12 Wochen liegt damit grob bei 80.000–110.000 € reinem Entwicklungsbudget — bevor Design, Konzept, Spec-Aufwand und externe Lizenzen dazukommen.

6. Externer Zukauf und Lizenzen

Stripe-, Push-, Analytics-, Maps-, Auth-Provider — ein typischer App-Stack greift auf fünf bis zehn externe Dienste zu. Im Bauen sind diese meist preiswert; sie skalieren aber mit Nutzer-Zahl und können nach 12 Monaten den größten Posten neben Hosting ausmachen. Beispiel: Stripe nimmt für eine deutsche Standard-Card-Transaktion 1,5 % + 0,25 € pro Zahlung; bei einem Marktplatz mit zehntausenden monatlichen Transaktionen ein nicht-trivialer Posten.

Was nicht in den Build-Preis passt

Was Auftraggeber:innen regelmäßig erst nach dem Angebot überraschend kostet:

  • App-Store-Gebühren. Apple Developer Program 99 USD/Jahr, Google Play Console 25 USD einmalig. Klein in Summe, aber Pflicht.
  • Hosting und Backend. Eine schlanke Backend-Architektur (Datenbank + API + Auth-Provider + Logging) liegt in DACH 2026 bei ca. 100–500 € netto/Monat, je nach Last und Region. Hochlastige Backends liegen deutlich darüber.
  • Wartung und Updates. Apple veröffentlicht jährlich eine iOS-Major-Version, Google liefert Android-Hauptversionen über das AOSP-Programm. Wer nicht aktiv pflegt, hat in 12–18 Monaten Compliance-Drift. Was Wartung kostet, steht im Guide AppCare — Sovion-Tarife beginnen bei 59 €, 149 € oder 349 € netto/Monat, sauberer Ausstieg jederzeit.
  • Kontinuierliche Weiterentwicklung. Faustregel: 15–20 % des Initial-Budgets pro Jahr als laufenden Posten — eine seit Jahrzehnten etablierte Beobachtung, die Gartner unter Software Maintenance ähnlich zusammenfasst.

Drei realistische Beispielrechnungen

Beispiel 1: B2C-Buchungs-MVP, eine Plattform. Scope: Login, Suche, Detail-Ansicht, Buchung mit Stripe, Buchungs-Übersicht. Eine Plattform (iOS), Cross-Plattform-Stack (RN + Expo), Standard-Backend (Postgres + REST). 8 Wochen Build, zweiköpfiges Team. Build-Budget: 40.000–55.000 €. Hosting: rund 200 €/Monat. Wartung im AppCare-Standard-Bereich.

Beispiel 2: B2B-Companion zur Hardware, beide Plattformen. Scope: Login, Pairing über BLE, Konfiguration eines Geräts, Status-Dashboard, Push, Multi-User-Konten. Beide Plattformen, ein isoliertes Native-Modul für die BLE-Brücke. 14 Wochen Build, dreiköpfiges Team. Build-Budget: 95.000–135.000 €. Hosting: rund 350 €/Monat. Wartung im Standard- bis Premium-Bereich.

Beispiel 3: Marktplatz mit Multi-Tenant. Scope: Auth mit Rollen, Anbieter-Backoffice, Endkunden-Frontend, Stripe Connect, Reporting, drei externe Integrationen (Buchhaltung, ERP, Versand). 22 Wochen Build, vierköpfiges Team mit DSGVO-Folgenabschätzung. Build-Budget: 180.000–250.000 €. Hosting: 800–1.200 €/Monat. Wartung im Premium- oder Custom-Bereich.

Die Zahlen sind keine Festpreise — sie zeigen die Größenordnung. Was den konkreten Preis bestimmt, ist die Detail-Spec, nicht die Vorab-Schätzung.

Was du nicht über den Preis verhandeln solltest

Drei Posten sind keine Verhandlungsmasse:

  • Sicherheits-Architektur. Auth-Library-Wahl, Token-Handling, Hosting-Region — wer hier spart, baut sich Folgekosten ein, die nach 12 Monaten als CVE-Patches wieder kommen. Mehr im Sub-Guide DSGVO bei der App-Entwicklung.
  • Test-Pfade für die Kern-Flows. Eine App ohne automatisierte Tests ist eine App, deren Wartung pro Jahr 30–50 % teurer wird.
  • Konzept-Phase. Eine zu kurze Konzept-Phase wird im Build doppelt teuer. Eine Woche mehr im Spec spart oft drei Wochen im Code.

Wenn ein Anbieter alle drei aus dem Angebot streichen will, sparst du am falschen Ende — und sitzt im Zweifel ein Jahr später auf einer App, die mehr kostet als ein neu gebauter V2.

Wenn du eine konkrete Einschätzung für deine App willst: schick uns den Scope in drei Sätzen — was die App tut, wer sie nutzt, ob Hardware oder Compliance Pflicht sind — über das Kontaktformular. Wir antworten in 24 Stunden mit einer Spanne, die zu deinem Vorhaben passt. Mehr Kontext: Wie läuft eine App-Entwicklung ab? für die Phasen-Logik dahinter, und Custom-Dev vs. No-Code/Low-Code, wenn ein günstigerer Validierungs-Pfad vor dem Custom-Build sinnvoll ist.

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